Praxisklinik für Gastroenterologie und Proktologie in Leipzig
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Fremdstuhltransplantation

Fremdstuhltransplantation – ein scheinbares Tabuthema wird öffentlich

„Fremdstuhlübertragung – oh je,  ist das ekelig!“ Das ist eine vielfach geäußerte Meinung, wenn Menschen mit dieser neuen Methode konfrontiert werden. Seit dem Jahr 2011 habe ich fundierte Erfahrungen mit dieser Methode gesammelt, die über eine Magenspiegelung und Dickdarmspiegelung zum Einsatz kommt. Wir blicken immerhin auf 9 Transplantationen bei 8 Patienten zurück. Die Methode ist für Außenstehende vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, erweist sich jedoch bei Problemfällen als extrem effizient.

Warum Fremdstuhlübertragung durch Magenspiegelung und Dickdarmspiegelung?

Antibiotika sind aus der Therapie von Infektionserkrankungen nicht wegzudenken. Leider haben sie eine wichtige Nebenwirkung- sie können die Darmflora stören und manchmal nachhaltig schädigen. In den meisten Fällen hilft sich der Körper selber und bildet die zerstörte Darmflora nach. Bei einigen Patienten greifen diese Selbstheilungskräfte nicht, es kommt zu einer Überwucherung der Darmflora durch Clostridien difficile, ein anaerobes, grampositives, endosporenbildendes Stäbchenbakterium. In der Regel wird dadurch eine schwere Darmentzündung ausgelöst (Abbildungen). Diese wird mit den Antibiotika Metronidazol oder Vancomycin, selten auch Teicoplanin, behandelt. Wenn diese Therapie fehlschlägt, ist die Fremdstuhlübertragung Mittel der Wahl. Das Verfahren der Fremdstuhltransplantation bei Patienten mit Clostridium-difficile-induzierter pseudomembranöser Colitis wird sicherlich in der Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen, da die Antibiotika-induzierte Clostridium-difficile-Infektion zunehmend schlechter mit den Standardantibiotika Metronidazol und Vancomycin beziehungsweise Teicoplanin zu behandeln ist.  Auch bei einer langanhaltend schwer gestörten Darmflora, wie z.B. nach großen chirurgischen Eingriffen, Transplantationen, Immunstörungen sowie Immunsuppression ist sie Mittel der Wahl. Unsere Erfahrungen sind identisch mit den Ergebnissen einer umfangreichen Studie von Brandt LJ, Aroniadis OC et al. 2012, die bei 71 nachuntersuchten Patienten die Effizienz der Methode bei rezidivierender Clostridien-difficile-Infektion belegen konnten. Weltweit sind etwa 400 Transplantationen durchgeführt worden.

Die Vorbereitung der Stuhltransplantation

Zunächst erfolgt die Spenderauswahl, meist ein Familienmitglied. Nach einem ausführlichen Aufklärungs-gespräch mit dem Empfänger und dem Spender, auch über die Notwendigkeit einer Magenspiegelung und Dickdarmspiegelung, sind beim Spender Laboruntersuchungen und Blutbilduntersuchungen sowie Stuhluntersuchungen erforderlich, um bestehende Erkrankungen und Infektionen auszuschließen. Der Spender darf  mindestens 3 Monate keine antibiotische Therapie erhalten haben.

Die Durchführung der Stuhltransplantation

Der Stuhlspender produziert seine Stuhlspende am Untersuchungstag, dann wird daraus eine Suspension hergestellt. Im Rahmen einer Magenspiegelung werden zunächst in den tiefen Zwölffingerdarm 150 ml einer Stuhl- Emulsion eingebracht. In gleicher Sitzung werden 350 ml Stuhlsuspension in den Dickdarm, vorzugsweise in den Anfang des Dickdarmes, über eine Dickdarmspiegelung appliziert. Anschließend wird Loperamid gegeben.

Bisherige Ergebnisse

Bei schweren nicht beherrschbaren Clostridien-Entzündungen des Darmes und schwerer Störung der Darmflora ist dieses Verfahren hoch effektiv und erfolgreich. In einigen Fällen ist eine zweite Stuhlspende und Stuhlübertragung erforderlich.

Kontakt

Praxisklinik für Gastroenterologie
Prof. Dr. Thomas Körner

Goldschmidtstr. 30
04103 Leipzig
Tel.: 0341 6790 2210
Fax: 0341 6790 2551
EMail: praxis@gastrodoc-leipzig.de
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